![]() | 09. Januar 2008 (FSK18) Erotische Gedichte berühmter Autoren Kennt Ihr erotische Gedichte - und zwar nicht irgendwelche, sondern solche von klassischen, namhaften Autoren, die mit anderen Texten auch im Deutschunterricht vertreten sind (wo man uns diesen Teil ihres Schaffens verschwieg)? Ich fange einmal an mit dem siebenten Sonett von Dieser Beitrag wurde als FSK18 eingestuft. Zur Freischaltung |
![]() | 09. Januar 2008 sorry............... ........ aber damit kann ich nicht dienen, finde das thema aber super toll, und lasse mich überraschen was uns da im deutschunterricht so alles verschwiegen worden ist.... lg WWW |
![]() | 09. Januar 2008 Deine Küsse ....von Max Dauthendey Deine Küsse, deine Brüste, deine Arme Pressen noch lüstewarm meinen Leib. Dein Blut, dein Fleisch Ruht noch lüstewarm an mir. Meine Schritte schallen, Meine Schritte fallen härter von Stein zu Stein, Die Erde nimmt mich in ihre Mitte, Verwundert fällt es mir ein: Wir lagen draußen im Weltenraum, Wir beide allein Max Dauthendey (1867-1918) |
![]() | 11. Januar 2008 auch der gute Goethe Meine Ruh' ist hin Mein Herz ist schwer; Ich finde sie nimmer Und nimmermehr. Mein Busen drängt Sich nach ihm hin. Ach dürft' ich fassen und halten ihn, Und küssen ihn So wie ich wollt'. An seinen Küssen Vergehen sollt'! (Gretchen am Spinnrad - Faust I) |
![]() | 11. Januar 2008 A propos Goethe ... Gib mir statt "der Schwanz" ein ander Wort, o Priapus! Denn ich Deutscher ich bin übel als Dichter geplagt Griechisch nennt ich dich phallos, das klange doch prächtig den Ohren Und lateinisch ist auch Mentula leydlich ein Wort Mentula käme von Mens, der Schwanz ist etwas von hinten Und nach hinten war mir niemals ein froher Genuß Knaben liebt ich wohl auch, doch lieber sind mir die Mädchen Hab ich als Mädchen sie satt, dient sie als Knabe mir noch (aus den Venezianischen Epigrammen) |
![]() | 11. Januar 2008 Rainer Maria Rilke Schwindende, du kennst die Türme nicht. Doch nun sollst du einen Turm gewahren mit dem wunderbaren Raum in dir. Verschließ dein Angesicht. Aufgerichtet hast du ihn ahnungslos mit Blick und Wink und Wendung. Plötzlich starrt er von Vollendung, und ich, Seliger, darf ihn beziehn. Ach wie bin ich eng darin. Schmeichle mir, zur Kuppel auszutreten: um in deine weichen Nächte hin mit dem Schwung schoßblendender Raketen mehr Gefühl zu schleudern, als ich bin. |
![]() | 11. Januar 2008 zu Goethe habe ich nun auch noch was Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832) NÄHE DES GELIEBTEN Ich denke dein, wenn mir der Sonne Schimmer Vom Meere strahlt; Ich denke dein, wenn sich des Mondes Flimmer In Quellen malt. Ich sehe dich, wenn auf dem fernen Wege Der Staub sich hebt; In tiefer Nacht, wenn auf dem schmalen Stege Der Wandrer bebt. Ich höre dich, wenn dort mit dumpfem Rauschen Die Welle steigt. Im stillen Haine geh ich oft zu lauschen, Wenn alles schweigt. Ich bin bei dir, du seist auch noch so ferne, Du bist mir nah! Die Sonne sinkt, bald leuchten mir die Sterne O wärst du da! |
![]() | 11. Januar 2008 zu Goethe habe ich nun auch noch was II Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832) Laß dich, Geliebte, nicht reun, daß du mir so schnell dich ergeben! Glaub es, ich denke nicht frech, denke nicht niedrig von dir. Vielfach wirken die Pfeile des Amor: einige ritzen, Und vom schleichenden Gift kranket auf Jahre das Herz. Aber mächtig befiedert, mit frisch geschliffener Schärfe Dringen die andern ins Mark, zünden behende das Blut. In der heroischen Zeit, da Götter und Göttinnen liebten, Folgte Begierde dem Blick, folgte Genuß der Begier. Glaubst du, es habe sich lange die Göttin der Liebe besonnen, Als im Idäischen Hain einst ihr Anchises gefiel? Hätte Luna gesäumt, den schönen Schläfer zu küssen, O, so hätt ihn geschwind, neidend, Aurora geweckt. Hero erblickte Leandern am lauten Fest, und behende Stürzte der Liebende sich heiß in die nächtliche Flut. Rhea Sylvia wandelt, die fürstliche Jungfrau, der Tiber Wasser zu schöpfen, hinab, und sie ergreifet der Gott. So erzeugte die Söhne sich Mars! - die Zwillinge tränket Eine Wölfin, und Rom nennt sich die Fürstin der Welt. |
![]() | 11. Januar 2008 Auch Theodor Storm hat sich versucht. Theodor Storm (1817-1888) O SÜSSES NICHTSTUN O süßes Nichtstun, an der Liebsten Seite Zu ruhen auf des Bergs besonnter Kuppe; Bald abwärts zu des Städtchens Häusergruppe Den Blick zu senden, bald in ferne Weite! O süßes Nichtstun, lieblich so gebannt Zu atmen in den neubefreiten Düften; Sich locken lassen von den Frühlingslüften, Hinabzuziehn in das beglänzte Land; Rückkehren dann aus aller Wunderferne In deiner Augen heimatliche Sterne. |
![]() | 11. Januar 2008 HERBERT ROSENDORFER HERBERT ROSENDORFER (*1934) Sonett an Smečkal Leg’, Smečkal, dein reseden Beinkleid ab. Laß deiner Socken Inhalt dir entlocken, Entferne auch den Halter deiner Socken, Der jeder Socke Halt und Spannung gab. Des Beins ich unverhüllten Anblick hab’, Wenn du von dir wirfst ohne alles Stocken Das malvenfarbne Unterbeinkleid. Lab’ Mich damit, reibe meine Stirn mir trocken. Denn dann, wenn du des Hemdes dich entkleidest, Wenn du dein seiden Leibchen von dir schiebst, Wenn auch dein Busen frei wird von dem Mieder, Wenn auch die letzte Hülle du vermeidest, Dann peitsch’ ich, weil ich weiß, daß du es liebst, Durch lange Gänge dich mit weißem Flieder. |
![]() | 12. Januar 2008 Kurt Tucholsky Kurt Tucholsky (1890-1935) Sie, zu ihm Ich hab dir alles hingegeben: mich, meine Seele, Zeit und Geld. Du bist ein Mann – du bist mein Leben, du meine kleine Unterwelt. Doch habe ich mein Glück gefunden, seh ich dir manchmal ins Gesicht: Ich kenn dich in so vielen Stunden – nein, zärtlich bist du nicht. Du küsst recht gut. Auf manche Weise zeigst du mir, was das ist: Genuss. Du hörst gern Klatsch. Du sagst mir leise, wann ich die Lippen nachziehn muss. Du bleibst sogar vor andern Frauen in gut gespieltem Gleichgewicht; man kann dir manchmal sogar trauen ... aber zärtlich bist du nicht. O wärst du zärtlich! Meinetwegen kannst du sogar gefühlvoll sein. Mensch, wie ein warmer Frühlingsregen so hüllte Zärtlichkeit mich ein! Wärst du der Weiche von uns beiden, wärst du der Dumme. Bube sticht. Denn wer mehr liebt, der muss mehr leiden. Nein, zärtlich bist du nicht. |
![]() | 12. Januar 2008 Der Liebende an eine verwelkte Blume Der Liebende an eine verwelkte Blume Diese Blume – ach sie kam von ihr! Auch verwelkt noch ist sie heilig mir. Längst sind ihre Farben hingeschwunden, Wie die Seligkeit vergangner Stunden - Aber dennoch bleibt sie heilig mir, Diese Blume – denn sie kam von ihr. Tausend blühen schimmernd jetzt im Hain - Farb' und Duft erfüllt ihr kurzes Seyn - Aber mich reizt ihre Schönheit nicht, Wenn nicht ihre Hand sie für mich bricht. Längst verblichne Blume, Du allein Sollst mir Weihgeschenk des Frühlings seyn. Thränen trüben schwellend meinen Blick, Denk' ich an den schönen Tag zurück, Wo sie Dich im Morgenthau mir pflückte, Und ich zärtlich an mein Herz Dich drückte. Theure Blume – mein entfloh'nes Glück Kehrt wie deine Farbe nie zurück! Charlotte von Ahlefeld (1781-1849) |
![]() | 12. Januar 2008 Sehnsucht Sehnsucht Im Frühling Wenn Philomelens bange Liebesklage Mir neu ertönt im leisen Pappelhain, Da denk' ich sehnend der vergangnen Tage, Und seufze schmerzlich: ach, ich bin allein! O fühltest Du mit mir das warme Leben, Das neu erwacht, rings um mich her sich regt, Das Leben der Natur, die mit dem ew'gen Streben Im Jugendglanz sich jetzt empor bewegt. Denn zwiefach schön war mir des Jahres Morgen Mit seinem holden Lächeln neben Dir. O banne schnell der Liebe leise Sorgen, Und eil' auf ihren Flügeln her zu mir. Dann will ich Dir die schönsten Kränze binden, Die mir des Frühlings bunter Segen beut. Gesellig soll sich Epheu um sie winden, Das als der Treue Sinnbild Dich erfreut. Nur dann, wenn ich Dich freudig wiedersehe, Entschlummert sanft in mir der Sehnsucht Schmerz, Er flieht mich nur in Deiner theuren Nähe, Denn Du allein beglückst und füllst mein Herz. Charlotte von Ahlefeld (1781-1849) |
![]() | 12. Januar 2008 Spiel der Blicke Ach, meine Blicke, trunk'ne Vögel, spreiten Die Schwing' im weiten Saal nach ihr alleine: Ihr Auge aber meidet stets das meine, Und scheut sich, Stern in Stern den Blick zu leiten. Wohl streift er mich in holder Näh' zu Zeiten, Irrt spielend mir ums Haupt mit süßem Scheine, Um, wenn ich ihn beglückt zu haschen meine, Mit kühlem Stolze wieder abzugleiten. Nur wenn der Schönen Kranz um sie verdichtet Sich drängt, und mir verbirgt mein süßes Hoffen, Dann aber sich der Schwarm ein wenig lichtet: Da seh' ich durch ein Spältchen, lieblich offen, Urplötzlich oft von fern auf mich gerichtet Ein spähend Feuerauge, süß betroffen! Robert Hamerling (1830-1889) |
![]() | 12. Januar 2008 der gute alte Goethe.... Mignon Nur wer die Sehnsucht kennt, Weiß, was ich leide! Allein und abgetrennt Von aller Freude, Seh ich ans Firmament Nach jener Seite. Ach! der mich liebt und kennt, Ist in der Weite. Es schwindelt mir, es brennt. Mein Eingeweide. Nur wer die Sehnsucht kennt, Weiß, was ich leide! Johann Wolfgang von Goethe |